Hörbus Nahost im Schulzentrum Seesen, alter Doppeldecker-Bus

Hörbus Nahost macht Station an der Oberschule Seesen

Zuhören, nachfragen, diskutieren: Jugendliche setzen sich mit dem Nahostkonflikt und Fragen von Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung auseinander

Wie kann man mit Jugendlichen über den Nahostkonflikt sprechen – über ein Thema, das komplex ist, emotional diskutiert wird und ihnen zugleich täglich in Nachrichten und sozialen Medien begegnet? An der Oberschule Seesen bietet der Hörbus Nahostderzeit einen besonderen Raum dafür.

Alle 10. Klassen sowie ein Teil der 9. Klassen nehmen an dem Angebot teil. Die Schülerinnen und Schüler erkunden den Hörbus zunächst selbstständig, hören unterschiedliche Perspektiven und setzen eigene Schwerpunkte. Anschließend findet ein Reflexionsgespräch mit einer Trialogpatin statt. Die Lehrkräfte sind dabei in der Regel bewusst nicht anwesend. So können sich die Jugendlichen möglichst frei von schulischem Bewertungsdruck äußern, Fragen stellen und auch Unsicherheiten zur Sprache bringen.

Das Konzept kommt bei den Jugendlichen an: Viele zeigen sich interessiert und beteiligen sich engagiert an den Gesprächen. Dabei geht es längst nicht nur um den Nahostkonflikt. Es entstehen Diskussionen über Vorurteile und Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus, Diskriminierung und Rechtsextremismus – und damit über grundlegende Fragen des demokratischen Zusammenlebens.

„Jugendliche begegnen diesen Themen längst – auf TikTok und anderen sozialen Medien, in ihren Familien, im Freundeskreis oder in den Nachrichten. Schule muss deshalb Räume bieten, in denen sie Fragen stellen, Informationen einordnen und unterschiedliche Perspektiven diskutieren können“, sagt Lehrerin Claudia Holzhausen. „Der Hörbus zeigt gerade sehr eindrücklich, wie gut man über einen konkreten Anlass mit Jugendlichen ins Gespräch kommen kann – auch über Themen, die weit über den Nahostkonflikt hinausgehen.“

Dabei geht es nicht darum, fertige Antworten vorzugeben. Die Jugendlichen sollen Informationen kritisch hinterfragen, unterschiedliche Perspektiven wahrnehmen und sich ein eigenes begründetes Urteil bilden.

Für die Oberschule Seesen fügt sich der Besuch des Hörbusses damit in die politische und demokratische Bildungsarbeit der Schule ein. Demokratiebildung findet nicht nur im Politikunterricht statt. Sie findet auch dort statt, wo junge Menschen erleben, dass ihre Fragen ernst genommen werden, unterschiedliche Sichtweisen diskutiert werden können und ein offener Austausch auch über schwierige Themen möglich ist. (Hol)

Mehr Infos: https://www.gesellschaftimwandel.org/angebote/hoerbus-nahost