Alle Beiträge von Daniel Beyer

Oberschule öffnet Türen

Zahlreiche Gäste nehmen Einblick in Arbeit der größten Oberschule im Landkreis Goslar

Der Tradition folgend öffnete die Oberschule auch in diesem Frühjahr wieder ihre Türen und gewährte Einblicke in die Arbeit der Schülerinnen und Schüler und ihrer Lehrkräfte. Eingeladen waren Eltern und Angehörige der Schüler, aber auch ehemalige Schülerinnen und Schüler und vor allem auch Familien, die mit dem Gedanken spielen, ihr Kind im nächsten Jahr auf der Schule anzumelden. So gab Schulleiterin Annegret Tuchtfeld einen Einblick in den Aufbau der Schule und den derzeitigen Stand der Schulentwicklung. Dabei lenkte sie den Blick beispielswiese auch auf das umfangreiche Ganztagsangebot. Mit oder ohne Führung schauten sich die Gäste dann im Gebäude um. Dabei wurden Sie kulinarisch mit Köstlichkeiten aus aller Welt von der Klasse 8e versorgt, ebenso wie von Hauswirtschaftskursen oder den engagierten Eltern des Fördervereins und des Schulelternrats. Der harzer Schulverpfleger Buscopella bot Kostproben seiner Mittagsverpflegung an. Für Unterhaltung sorgten die verschieden Schulbands und Theatergruppen der Schule.
In den Räumen präsentierten sich verschiedene Unterrichts- und Schulprojekte. Die Elektronik- und Programmierkurse zeigten ihre Entwicklungen mit den Minicomputern Arduino. Beispielsweise vollzogen die Schüler eine Ampelschaltung nach und zeigten ihr neues Geschicklichkeitsspiel. Aber auch die Fächer Sport (Trendsport Headies), Kunst (Kunstwerkstatt) und Religion präsentierten sich ebenso wie die Schulsanitäter (Blutdruckmessung mit Gewinnspiel) und die Buddys (Wie werden die neuen Schüler begleitet?) und viele andere Bereiche der Oberschule.

Aktionen zum „Welttag des Buches“

Kurz vor den Osterferien hat der jährliche Vorlesetag der Oberschule Seesen stattgefunden. Entstanden ist dieser Tag aufgrund des „Welttag des Buches“. Dieser Tag, den die UNESCO 1995 zum weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren erklärt hat, bietet eine Vielzahl an Aktionen, um das Lesen zu feiern. Unter dem Motto „Offenes Lesen“ findet die Vorleseaktion anlässlich des „Welttag des Buches“ statt mit der die Oberschule Seesen ihre „Lesewerkstatt“ vorstellt, die sich in den fünften und sechsten Jahrgängen zwei Stunden pro Woche bewährt und etabliert hat, um die Leseflüssigkeit, das Leseverständnis und die Freude am Buch zu fördern.
Der gesamte Jahrgang 5 (113 Schülerinnen und Schüler, 5 Klassen) der Oberschule Seesen beteiligt sich an der Vorleseaktion. Mit dieser Aktion wird auf die Tatsache reagiert, dass nur noch in einem Drittel aller Haushalte mit Kindern von 0 bis 10 Jahren vorgelesen wird. Durch den Vorlesetag soll die Aufmerksamkeit auf die große Bedeutung des Vorlesens als Grundlage für Bildungsfähigkeit gelenkt werden.
„Nicht nur für Kinder ist es wunderbar, vorgelesen zu bekommen. Auch Erwachsene können in Geschichten eintauchen, indem einer vorliest und einer zuhört. Aber für Kinder sind der Kontakt mit Literatur, mit anderen Leben und die Spaziergänge der Phantasie geradezu unverzichtbar.“, beschreibt die didaktische Leiterin Svenja Rüffer den Vorgang. Deshalb strömten die Fünftklässler der Oberschule Seesen aus, um in den Grundschulen Jahnstraße sowie am Schildberg und im Café Sieben Türme vorzulesen, aber auch im Kindergarten St.-Annen-Straße sowie im Seniorenheim St. Vitus. Die Schülerinnen und Schüler lasen Märchen und Kinderbücher wie „Gregs Tagebuch“, „Die Wilden Fußballkerle“ und „Wenn ich groß bin, werde ich Fledermaus“ vor.
Aufgeregt sprachen die Fünftklässler zum Beispiel die Besucher des Cafés „Sieben Türme“ an. Manch einer ließ sich als Zuhörer werben und wurde nicht enttäuscht. Die Freude war den Kindern anzumerken, wenn sie gekonnt ihr Buch vorstellten, um dann im Anschluss einen ausgewählten Abschnitt daraus vorzulesen.
„Kinder, die gut lesen können, haben es im Leben leichter. Lesekompetenz ist die beste Grundlage für eine gute Entwicklung der Kinder, sowohl für ihre Konzentrationsfähigkeit als auch für ihre Vorstellungsgabe, ihr logisches Denken und ihr Einfühlungsvermögen.“, weiß Deutschlehrer Sebastian Menzi, verantwortlicher Initiator der Lesewerkstatt, zu berichten. „Die großartige Beteiligung von allen Zuhörern und die Bereitschaft der verschiedenen Einrichtungen ihre Türen zu öffnen, machte die Vorleseaktion zu einem großen Erfolg! Dafür gilt unser herzlichster Dank!“ betont Rüffer abschließend.

Christian Desseaux verstorben

Wir trauern.
Im letzten Jahr, anlässlich des 73. Jahrestages der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers Mittelbau-Dora, haben Schülerinnen und Schüler der Oberschule Seesen mit Christian Desseaux zum dritten Mal ein Zeitzeugengespräch geführt. Er schilderte eindrücklich, wie er als 16-jähriger in Paris in die Mühlen der Gestapo geriet und in das Konzentrationslager Mittelbau-Dora deportiert wurde. Wir durften ihn in die Stollenanlage des ehemaligen Konzentrationslagers begleiten, wo wir ihm an den Ort seiner Qualen folgten und er uns diesen nahe brachte. Er erklärte uns seine lange Sprachlosigkeit nach der Befreiung und wie er sich langsam öffnete um die Wunden des Krieges und damit auch seine seelischen Wunden zu heilen. Er machte uns deutlich, welchen großen Wert für ihn die Gespräche mit jungen Menschen haben. Aus ihm sprach die Hoffnung auf und an eine Generation, die es versteht aus der Geschichte zu lernen und die dafür Sorge trägt, dass sich die Schrecken des Nationalsozialismus nicht wiederholen. Er ermutigte, Verantwortung zu übernehmen. Wir danken ihm für intensive, herzliche, traurige und fröhliche Momente, die wir mit ihm erleben durften.
Christian Desseaux verstarb am 9.4.2019 im Alter von 93 Jahren in Challes-Les-Eaux.

„sehr intensive und emotionale Arbeit direkt vor Ort“

Oberschüler stellen Erlebnisse, Eindrücke und Erkenntnisse aus Gedenkstättenfahrt nach Polen vor

Präsentation Gedenkstättenfahrt 2019

Das Projekt Gedenkstättenfahrt wurde vom Lehrer Dr. Thomas Droste vorgestellt. Er bedankte sich vor allem auch bei den zahlreichen Sponsoren, die für die meisten Schüler eine Teilnahme überhaupt erst möglich gemacht hatten.
Die Schüler waren mit der Didaktischen Leiterin Svenja Rüffer und dem Geschichtslehrer Alexander Meuschke im Januar nach Oświęcim gereist, um in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau sowohl den historischen Ort zu besuchen als auch in der Gedenkstätte in Workshops zu verschiedenen Themen zu arbeiten und zu forschen. Dabei ging es der Gruppe vor allem auch um Bezüge zu Seesen. Im Rahmen des Projektes haben die Schüler außerdem das Städtische Museum in Seesen und den jüdischen Friedhof in Seesen besucht und sind Spuren jüdischen Lebens in Seesen nachgegangen. Für die Osterferien ist noch ein Gespräch mit Überlebenden des KZ Mittelbau-Dora geplant

In der Präsentation gingen die Schüler selbstgewählten Schwerpunkte nach. So berichteten sie zum Beispiel von unterschiedlichen Wegen in den Tod. Sie warfen einen besonderen Blick auf Block 28, die sogenannte Krankenbaracke im Lager. Sie schilderten die grausamen Strukturen im Lageralltag ebenso wie die Experimente an Menschen. Das Wirken und der Werdegang des Lagerarztes Josef Mengele wurde geschildert. Eine Schülerin brachte zum Ausdruck, dass es nur schwer zu ertragen sei, dass ein solches „Monster“ für seine Taten nicht zur Rechenschaft gezogen wurde. Mengele starb 1979 in Brasilien an einem Schlaganfall. Die Schüler schilderten aber auch Versuche von Widerstand: Lagerärzte, die falsche Diagnosen ausstellten. Die Unterstützung für einen Fluchtversuch. Der Häftlingsschneider von Auschwitz, der durch erfundene Nachrichten aus der Außenwelt Hoffnung säte. Besonders erschütternd erwies sich die Darstellung über Geburten im Lager und die Kinder in Auschwitz, die vielfach direkt nach ihrer Geburt oder beispielsweise in medizinischen Experimenten oder bei Zwangsarbeit getötet wurden. Im KZ Auschwitz-Birkenau starben insgesamt bis zu 1,5 Millionen Menschen.
Bei ihren Recherchen stieß die Gruppe aber auch auf ein Ereignis in Seesen. Wahrscheinlich am 7. April 1945 wurden zwei Häftlinge bei einem Todesmarsch aus Klein Bodungen in der Nähe von Seesen erschossen. Der Tatort war die damalige Kiesgrube „Paradiesbrink“ am Ortsausgang von Seesen Richtung Hahausen. Bisher konnten die Opfer jedoch nicht identifiziert werden. Die Schüler schlugen die Errichtung eines Denkmals zum Gedenken an die Getöteten vor.
„Den Toten ein Gesicht zu geben ist Anliegen des Projekts“, betont Dr. Droste und so zeigte die Gruppe auch einige Poträts. Darüber hinaus ist sie bei ihrer Arbeit in der Gedenkstätte auf die Sterbeurkunde des Seesener Schülers Werner Grosz gestoßen. In vorgelesenen Tagebuchkommentaren bilanzierten die Schüler ihre Teilnahme an der Studienfahrt. So betonte Josefine Chromik die Notwenigkeit auf Diskriminierung schnell zu reagieren. Hannah Brics hob in ihrem Schlussstatement hervor, „wie gut es uns hier heutzutage geht“. Der stellvertretende Schulleiter Daniel Beyer dankte den Schülern und Lehrkräften für das Teilen ihrer Eindrücke und hob die große Ernsthaftigkeit ihrer Arbeit hervor. Das Aufrechterhalten der Erinnerung an die Toten von Auschwitz sei die Übernahme von Verantwortung für die Zukunft. Er verabschiedete alle Gäste mit einem Verweis auf Theodor W. Adornos erste Forderung an Erziehung, „dass Auschwitz nicht noch einmal sei“.

Zahlreiche Besucher konnte Schulleiterin Annegret Tuchtfeld zur Präsentation in der Mensa der Oberschule begrüßen, darunter aktive und ehemalige Schüler, Eltern und Lehrkräfte, aber auch Fachbereichsleiter Michael Conzen vom Schulträger Landkreis Goslar und die Ratsmitglieder Andrea Melone und Patrick Kriener. Besonders erfreut zeigte sich die Schulleiterin über den Besuch von Museumsleiter Dirk Strohschein und Historiker Dr. Joachim Frassl, beide langjährige Wegbegleiter und Berater des Schülerprojekts.